Globaler Handel
Internationale Lieferketten stehen 2026 erneut unter erheblichem Druck. Wieder einmal zeigt sich, wie verletzlich ein System ist, das auf just in time global verteilte Produktion und billige Transportwege setzt.
Globaler Handel
Die aktuellen Spannungen rund um die Straße von Hormus, einen der wichtigsten Engpässe des weltweiten Energiehandels, führen vor Augen, wie abhängig Wirtschaft und Kapitalmärkte von wenigen kritischen Routen und Akteuren sind.
Wenn Tanker aus Sicherheitsgründen umgeleitet werden müssen, Lieferzeiten nach oben schnellen und Energiepreise innerhalb weniger Tage explodieren, können nicht nur Industrieunternehmen, sondern ganze Volkswirtschaften ins Wanken geraten.
Unternehmen reagieren darauf mit einem Mix aus kurzfristigem Krisenmanagement und langfristiger Neuaufstellung. Nach den Schocks der Pandemie und nun den geopolitischen Verwerfungen setzen viele verstärkt auf Diversifizierung:
alternative Lieferanten,
neue Transportkorridore,
zusätzliche Lagerkapazitäten
und digitale Instrumente zur Echtzeitüberwachung der eigenen Lieferketten.
Was früher als ineffizienter „Fettgürtel“ galt, wird heute als notwendige Resilienzprämie verbucht.
Für Investoren verändert sich damit das Risikoprofil ganzer Branchen. Geschäftsmodelle, die auf billiger Energie, fragilen Transportwegen oder hochkonzentrierten Zulieferstrukturen basieren, wirken plötzlich weniger attraktiv. Gefragt sind Unternehmen, die geopolitische Risiken aktiv managen, ihre Beschaffung breiter aufstellen und Transparenz über ihre Wertschöpfungsketten schaffen. Resilienz wird zur neuen Kennziffer: Wer seine Lieferketten versteht, Szenarien durchspielt und im Ernstfall schnell umsteuern kann, verschafft sich einen Vorsprung – und rechtfertigt aus Investorensicht möglicherweise auch eine höhere Bewertung.
Bleibt die Frage, ob wir aus vergangenen Krisen – allen voran aus Covid-19 – wirklich gelernt haben. Die Pandemie hat drastisch gezeigt, wie schnell globale Netzwerke kollabieren können, wenn Häfen schließen, Fabriken stillstehen und Nachfrage sich sprunghaft verschiebt. Vieles, was damals als „Weckruf“ galt, scheint heute wieder in den Hintergrund zu rücken, sobald der Druck nachlässt. Doch jede neue Krise – ob Pandemie, Krieg oder Blockade – legt offen, wo Versäumnisse fortbestehen: fehlende Transparenz, einseitige Abhängigkeiten, geringe Flexibilität.

Vorteile und Herausforderungen des globalen Handels
Der globale Handel weist eine komplexe Historie auf, die sich über die letzten Jahrhunderte entwickelt hat. Bereits in der Antike tauschten Händler Waren zwischen verschiedenen Kulturen aus, römische Münzfunde wurden bis an die Südspitze Indiens nachgewiesen. Einer der bekanntesten Handelswege, die Seidenstraße, förderte den Austausch von Gütern und Ideen zwischen Asien und Europa.

Handelsabkommen – Motor des globalen Handelns
Handelsabkommen sind Verträge zwischen Staaten oder Wirtschaftsräumen, die den internationalen Austausch von Waren und Dienstleistungen erleichtern sollen. Sie regeln wirtschaftliche Beziehungen, bauen Handelsbarrieren ab und adressieren meist Bereiche wie Zölle, die Harmonisierung von Standards oder den Schutz geistigen Eigentums.


Schifffahrt im Wandel
Die Schifffahrt ist das Rückgrat des Welthandels. Ein Großteil der globalen Waren wird auf dem Seeweg transportiert, und gemessen an den Emissionen pro Tonnenkilometer zählt der Frachtschiffsverkehr zu den effizientesten Transportformen überhaupt. Nur die Bahn schneidet in dieser Hinsicht noch besser ab.
Zukunfts-Thema Infrastruktur
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ESG-Bewertung
Die Einschätzung des Themenkomplexes "globaler Handel" in Bezug auf die einzelnen Nachhaltigkeitsdimensionen ESG
"E" (Environmental, Umwelt)
Die Umweltdimension ist beim Thema globaler Handel besonders stark betroffen. Es geht zunächst um die Art und die Örtlichkeit der Produktion – das heißt: Welche Umweltbelastungen entstehen etwa durch den Anbau (wie durch den Maschinenpark, Düngemittel oder Spritzmittel), welche durch den Transport zu Verbraucher:innen? Die Wahl des Transportmittels ist für die ökologische Einschätzung oft wesentlich, aber auch der ökologische Fußabdruck der Produktion selbst muss für einen fairen Vergleich miteinkalkuliert werden.
"S" (Soziales)
Durch eine Verlagerung der Produktion wird die Wertschöpfung quasi exportiert, es kann Druck auf Teile des Arbeitsmarkts entstehen. Die Qualität von Produkten und Dienstleistungen kann durch Auslagerungen in Richtung von Billigproduktionen negativ beeinflusst sein. Beispielsweise können bei Lebensmitteln die gesundheitliche Unbedenklichkeit und der Gesundheitsaspekt in einzelnen Fällen infrage gestellt werden.
"G" (Governance)
Vom Standpunkt der Governance stellt sich die Frage der Regeln im Rahmen des internationalen Handels und des Erfolges von Handelsabkommen und den Handel fördernden und regulierenden internationalen Organisationen.

myAbility - Business und soziale Wirkung verbinden
Auf Initiative unseres Diversity-Teams arbeitet Raiffeisen Capital Management seit Anfang des Jahres mit myAbility Social Enterprise zusammen. myAbility setzt sich für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen ein und will gemeinsam mit Wirtschaftstreibenden eine barrierefreie und chancengerechte Gesellschaft schaffen.