Was bringt ein Handelsabkommen?
Handelsabkommen sind ein komplexes und wichtiges Instrument der internationalen Wirtschaftspolitik. Sie können die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft positiv beeinflussen, indem sie den Zugang zu Rohstoffen und Vorprodukten sichern, den Import und Export fördern, Unternehmen den Zugang zu neuen Märkten ermöglichen und positive Impulse am Arbeitsmarkt bewirken.
Laut Welthandelsorganisation waren zu Beginn des Jahres 2026 mehr als 380 Handelsabkommen* aktiv– ein Zeugnis dafür, wie zentral solche Vereinbarungen für die moderne Weltwirtschaft geworden sind.
Doch schon im Altertum dienten Handelsabkommen als essenzielle vertragliche Vereinbarungen zwischen frühen Hochkulturen oder Stadtstaaten dazu, den Austausch von Waren zu vereinfachen, Zölle zu regeln und die Sicherheit von Händlern auf wichtigen Handelsrouten wie der Seidenstraße zu gewährleisten.
Die Hanse dominierte im Mittelalter als Verband norddeutscher Kaufleute und Städte mittels Kontoren mit eigener Rechtsordnung und Sonderprivilegien den Handel im Ost- und Nordseeraum. Anfang des 19. Jahrhunderts begann sich die Idee des Freihandels stärker durchzusetzen. Neben der industriellen Revolution und der Ausdehnung imperialer Strukturen trug auch die Abschaffung vieler Zollschranken zu einem starken Wachstum des Welthandels bei. Präferenzabkommen (sogenannte Preferential Trade Agreements, PTAs) wurden als völkerrechtliche Verträge eingesetzt, um den Handel zwischen Mitgliedsstaaten zollrechtlich zu bevorzugen. Auf die Große Depression Ende des 19. Jahrhunderts sowie den Ersten Weltkrieg folgte eine Ära des Protektionismus, die Handelsbarrieren verstärkte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die wirtschaftliche Zusammenarbeit systematischer und der weltweite Freihandel erlebte einen erneuten Aufschwung: 1947 wurde das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT) gegründet, das 1995 in die Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) übergeführt wurde, die eine zentrale Organisation zur Regelung des globalen Handels darstellt und 166 Mitglieder vereint, welche 98 % des Welthandels repräsentieren.

Autorin
Mag. Magdalena Quell, Produkt- und Projektmanagerin bei der Raiffeisen KAG
Arten von Handelsabkommen
Handelsabkommen können auf unterschiedlichen Ebenen eingeordnet werden, zum Beispiel nach Anzahl der Mitglieder (bi- oder multilateral) oder Integrationsgrad.
Ein Freihandelsabkommen zielt darauf ab, Zölle und andere Handelshemmnisse zwischen den Mitgliedern abzubauen oder ganz zu beseitigen, wobei die Staaten in ihren eigenen Handelspolitiken gegenüber Drittländern unabhängig bleiben.
Hingegen umfasst eine Zollunion nicht nur den Abbau von Zöllen zwischen den Mitgliedern, sondern begründet auch gemeinsame Außenzölle gegenüber Drittstaaten.
Die Einrichtung eines gemeinsamen Markts von Mitgliedsstaaten ermöglicht zusätzlich den freien Verkehr von Personen, Dienstleistungen und Kapital – die Europäische Union ist das prominenteste Beispiel.
Die wirtschaftliche Integration bietet die engste Verflechtung zwischen Mitgliedsstaaten. Neben den vorhin genannten Punkten erstrecken sich die Gemeinsamkeiten hierbei auch auf die Währung sowie wirtschaftspolitische Maßnahmen, wie zum Beispiel innerhalb der Eurozone.
Prozentanteil am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowie an der Weltbevölkerung
)
Einige der wichtigsten Handelsabkommen weltweit:
RCEP, Regional Comprehensive Economic Partnership umspannt als größte** Freihandelszone der Welt 15 asiatisch-pazifische Staaten.
USMCA, United States – Mexico – Canada Agreement regelt als NAFTA-Nachfolgeabkommen den Handel zwischen den drei nordamerikanischen Staaten.
EU, Europäische Union als umfassendstes Beispiel wirtschaftlicher Integration mit einem Binnenmarkt, Zollunion und gemeinsamen Regeln, hat zahlreiche Freihandelsabkommen mit Drittstaaten abgeschlossen.
Mercosur ist ein südamerikanischer Handelsblock mit einer Zollunion zwischen Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien (Letzteres seit 2024). Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen soll zu einer weiteren Handelsliberalisierung führen.
CPTPP, Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership regelt den Freihandel zwischen elf Pazifik-Anrainerstaaten sowie Großbritannien.
Erläuterungen:
* Regional Trade Agreements (RTAs)
** Gemessen am kumulierten Bruttoinlandsprodukt