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"Im Gegensatz zum internationalen Handel kann lokale Beschaffung eine Antwort auf die übertriebene Komplexität von Lieferketten sein."

Ein zentraler Gedanke in der ökonomischen Geschichte des Handels geht auf den berühmten britischen Wirtschaftswissenschaftler David Ricardo zurück, der das Prinzip des durch den Handel erzielbaren komparativen Vorteils entwickelte. Ricardo argumentierte, dass Länder von einer Spezialisierung ihrer Produktion profitieren können. Sein berühmtes Beispiel bezog sich auf Wolle aus England und Portwein aus Portugal. Er erklärte, dass England effizienter Wolle produzieren und Portugal besser Portwein herstellen könne, und daher sollte jedes Land sich auf seine Stärken konzentrieren und die andere Ware importieren.

Diese Theorie hat die Grundlagen des internationalen Handels stark beeinflusst und verdeutlicht die ökonomischen Vorteile der Spezialisierung und des Austauschs.

  • Ein wichtiges Argument für die Globalisierung der Warenströme ist dementsprechend die Erwartung, dass mehr Handel und eine verstärkte Arbeitsteilung zu Wohlstandsgewinnen führen können. Arbeitsteiliges Wirtschaften und die – manchmal sehr kurzfristig orientierte – Kostenoptimierung der Prozesse haben aber nicht nur Vorteile.

  • Es gibt auch negative Aspekte der Globalisierung, wie die durch Optimierung der Lieferketten hervorgerufene Absiedelung von ganzen Industrien oder Zulieferbetrieben und damit verbundene Arbeitsplatzverlusten. Ebenso sind durch erhöhte Transportvolumina negative Umwelteffekte zu erwarten.

Für Konsument:innen bedeutet die Globalisierung, dass sich die Frage nach der wirklichen Herkunft von in mehreren Produktschritten hergestellten Waren kaum mehr beantworten lässt. Rund um Globalisierung und die Optimierung des Produktionsprozesses entstehen Phänomene wie Auslagerungen von Produktionsschritten oder der gesamten Herstellung und eine zunehmende Unübersichtlichkeit der Produktion. Zulieferer auf verschiedensten Ebenen erhöhen die Komplexität der Beschaffung spürbar.

Neben derartigen Beispielen für kaum mehr kontrollierbares Lieferketten-Management führen Auslagerungen von Produktionsprozessen aber auch zu weiteren Risiken. Denn die Entscheidung der Unternehmen, verstärkt auf die Alternative des Outsourcings zu setzen und die eigene Fertigung zu reduzieren, basiert auf der Annahme eines freien Warenverkehrs. Handelseinschränkungen etwa durch Umweltkatastrophen – wie bereits vor 15 Jahren beim Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull in Island 2010 – zeigen die potenzielle Verwundbarkeit des Systems.

Welthandel

Heute ist der Welthandel durch ein komplexes Netz von Handelsabkommen und internationalen Organisationen wie der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO) strukturiert. Diese Institutionen sind entscheidend für die Regulierung des Handels und die Förderung des wirtschaftlichen Wachstums, indem sie Handelsbarrieren abbauen und den internationalen Waren- und Dienstleistungsaustausch erleichtern.

Wolfgang Pinner, Raiffeisen Capital Management

Autor

Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Corporate Responsibility

Die ökologische Komponente

Neben den ökonomischen Aspekten rückt auch die ökologische Perspektive des globalen Handels immer mehr in den Fokus. Der Transport von Gütern über große Distanzen hat signifikante CO2-Emissionen zur Folge, die den Klimawandel begünstigen.

Die Suche nach nachhaltigen Transportformen und die Förderung lokal produzierter Waren sind zunehmend wichtige Themen im internationalen Handel. Ansätze zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks des Handels gewinnen an Bedeutung, um eine nachhaltigere und umweltfreundlichere Wirtschaft zu gestalten.

Im Gegensatz zum internationalen Handel kann lokale Beschaffung eine Antwort auf die übertriebene Komplexität von Lieferketten sein. Abhängig von der jeweiligen Branche kann „Local Sourcing“ verschiedene Risiken reduzieren helfen, auch wenn damit vielleicht zunächst höhere Kosten verbunden sind.

Strategien in Krisenzeiten

In Krisenzeiten zeigt sich, dass die enge weltweite Verflechtung von Wertschöpfungsketten nicht nur Wohlstand schafft, sondern auch erhebliche Verwundbarkeiten mit sich bringt.

Besonders deutlich wurde dies während der Corona-Pandemie, als Lieferketten für Arzneimittel und medizinische Produkte teils abrupt unterbrochen wurden und viele Länder kurzfristig mit Engpässen konfrontiert waren. Da die Produktion zahlreicher Wirkstoffe – etwa vieler Antibiotika – in den vergangenen Jahrzehnten aus Kostengründen nach Asien verlagert wurde, führte das zeitweilige Stillstehen von Fabriken in China und Indien unmittelbar zu Versorgungsproblemen in Europa.

Globale Handelsströme, die in „normalen Zeiten“ als effizient und kostengünstig gelten, können sich in solchen Krisen damit ins Gegenteil verkehren: Staaten konkurrieren um knappe Güter, Lieferungen werden umgeleitet oder gestoppt und die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten oder Produktionsstandorten wird als strategisches Risiko sichtbar.

Diese Verwundbarkeit betrifft nicht nur den Gesundheitssektor, sondern auch andere systemrelevante Bereiche wie Lebensmittelversorgung, Energie oder Hightech-Industrien. Der Ukraine-Krieg hat etwa gezeigt, wie stark bestimmte Branchen – von der Lebensmittelproduktion bis zur Halbleiterfertigung – von Rohstoffen und Vorprodukten aus wenigen Ländern abhängig sind, was bei Handelsstörungen zu Preisschocks und Produktionsausfällen führen kann.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Diskussion um Resilienz und strategische Souveränität an Bedeutung. Staaten und Unternehmen beginnen, kritische Produktionskapazitäten wieder näher an den Heimatmarkt zu holen, Lieferketten zu diversifizieren und Mindestvorräte für essenzielle Güter wie Medikamente oder Schutzausrüstung aufzubauen. Lokale oder regionale Produktion wird dabei nicht mehr nur unter Kostenaspekten bewertet, sondern als Bestandteil der Daseinsvorsorge und als Beitrag zur Krisenfestigkeit ganzer Volkswirtschaften verstanden.

Jürgen Maier, Raiffeisen Capital Management

Autor

Mag. Jürgen Maier, Fondsmanager Equities Emerging Markets

Transportmittel und Routen

Ein wesentlicher Aspekt des Handels ist die Vielfalt der Transportformen:

  • Die Seeschifffahrt ist die am weitesten verbreitete Methode, da sie große Mengen an Gütern zu niedrigen Kosten über weite Distanzen transportieren kann. Mit Containerschiffen hat sich die Effizienz erheblich gesteigert, da sie auf standardisierte Container setzen, die leicht verladen und transportiert werden können.

  • Luftfracht ist ideal für den Versand von hochwertigen, kleinen oder zeitkritischen Produkten. Obwohl sie teurer ist, bietet sie Geschwindigkeit, die für bestimmte Branchen und Güter attraktiv ist.

  • Der Straßenverkehr bietet Flexibilität für den Binnen- und Kurzstreckentransport, ermöglicht direkte Lieferung an Endverbraucher und ist ideal für die „letzte Meile“, während der Schienenverkehr eine umweltfreundlichere Alternative für den Großtransport über Land darstellt, insbesondere in Gebieten mit gut ausgebauten Eisenbahnnetzen.

Ebenso entscheidend sind die historischen und strategischen Handelsrouten:

  • Die Seidenstraße war eine der ersten großen Handelsrouten, die Asien und Europa verbanden und den kulturellen Austausch förderten.

  • Der Suezkanal, ein künstlicher Wasserweg, verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und ist kritisch für den Handel zwischen Europa und Asien, da er die Reisezeit erheblich verkürzt und die Umrundung Afrikas wegfällt.

  • Der Panamakanal, welcher den Atlantik mit dem Pazifik verbindet, spielt eine zentrale Rolle im maritimen Handel zwischen Ost und West, da er den langen und gefährlichen Weg um Südamerika überflüssig macht.

  • Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Meerengen der Welt, besonders für den globalen Öl- und Gastransport. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und damit auch mit dem Arabischen Meer. Diese Meerenge ist der Zugang zu den Ölförderstaaten am Persischen Golf, einschließlich Saudi-Arabien, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait und Irak. Ein großer Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggastransportes passiert diese Meerenge, was sie strategisch äußerst bedeutsam macht. Schätzungsweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls wird durch die Straße von Hormus transportiert.

  • Die Nord-West-Passage in der Arktis gewinnt durch das Schmelzen der Eiskappen an Bedeutung, da sie die Reisezeiten und Kosten zwischen Europa und Asien weiter verkürzen könnte. Schließlich sind die transatlantischen und transpazifischen Routen maßgeblich für die Handelsverbindungen zwischen Amerika, Europa und Asien, die den Großteil des internationalen Handels umfassen.

Fazit

Insgesamt bleibt der globale Handel eine treibende Kraft der Globalisierung, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle und soziale Dimensionen umfasst. Trotz der Herausforderungen, die sich durch Handelskonflikte und geopolitische Spannungen ergeben, sowie der Notwendigkeit ökologischer Verantwortung bleibt der internationale Handel ein wesentlicher Bestandteil der weltweiten Wirtschaft und der internationalen Zusammenarbeit.

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