Sonniger Herbst an den Börsen
Sie gehören statistisch zu den schwächeren Börsenmonaten, doch im September und Oktober gab es insgesamt eine sehr positive Performance für die meisten Assetklassen auf den Finanzmärkten. Aktien und Anleihen der Schwellenländer schnitten dabei überdurchschnittlich ab. Zwischenzeitlich kam es zwar zu Irritationen und kurzfristigen Kurskorrekturen im Zuge neuerlich aufflammender Auseinandersetzungen zwischen den USA und China. Doch diese währten nicht lange und scheinen zumindest für die kommenden 6 bis 12 Monate auch kein akutes Thema mehr zu werden. Denn beide Seiten vereinbarten eine Art Waffenstillstand in den Handelsstreitigkeiten für die nächsten 12 Monate, um in dieser Zeit eine tragfähige langfristige Lösung zu finden.
CE3-Länder und Brasilien mit neuen Allzeithochs
In Brasilien und in Zentral- und Osteuropa kletterten die Aktienindizes auf neue Allzeithochs, Die Märkte in Polen, Tschechien und Ungarn konnten damit bislang rund 35 bis 40 % seit Jahresbeginn zulegen (in Lokalwährung). Eine Verschnaufpause und Konsolidierung gab es hingegen in China in den letzten Wochen.
Im Schwellenländeruniversum ragten in den letzten beiden Monaten zwei politisch-wirtschaftliche Entwicklungen heraus:
Argentinien: Mileis Wahlsieg zündet Kursfeuerwerk
Die erste Entwicklung war der überraschende Wahlsieg der Partei von Präsident Milei bei den Parlamentswahlen in Argentinien. Dieser Wahlausgang katapultierte den Aktienindex in Buenos Aires um über 60 % nach oben. Der Präsident erhält damit wesentlich größeren politischen Handlungsspielraum und könnte damit seine Wirtschaftsagenda besser durchsetzen als bisher. Ob Mileis Programm tatsächlich zu den von ihm versprochenen Verbesserungen führen wird, bleibt freilich abzuwarten.
China verschiebt Fokus beim Wachstum
Das zweite, und global sicherlich bedeutendere Ereignis, war die Vorstellung des Entwurfs für den nächsten 5-Jahres-Plan in China für die Jahre 2026 bis 2030. Wie für China üblich, ist er ein Mix aus Kontinuität und Umbruch. Der Plan wird bis zum März 2026 konkretisiert und möglicherweise noch in einigen Details, nicht aber grundsätzlich verändert werden.
Der Plan legt den Fokus auf hochwertiges, nachhaltiges Wachstum und technologische Selbstständigkeit, priorisiert qualitatives Wachstum, anstatt wie bisher quantitatives. Er will den Übergang zu einem „schönen China“ mit Dekarbonisierung, Umweltschutz und erneuerbaren Energien und auf die verstärkte Förderung des Binnenkonsums den Fokus richten. Als Wachstumsziel strebt man pro Jahr um die 4,7 bis 4,8 % an.

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Zweifel im Westen, Optimismus in China
Einige westliche Analysten sehen den Plan als sehr ambitioniert an und mit erheblichen Risiken behaftet. Die starke Abhängigkeit von Exporten und (Über-)Investitionen werde nur unzureichend angegangen. Das Vorantreiben technologischer Selbständigkeit könnte auch Teil einer (wachsenden) Konfrontation mit dem Westen sein. Chinesische Kommentatoren sehen das erwartungsgemäß optimistischer und verweisen – nicht zu Unrecht – darauf, dass China auch in den vergangenen Jahren vor gewaltigen Herausforderungen stand und diese insgesamt gut gemeistert habe.
…und etliche offene Fragen
Unklar ist, wie das Thema Überinvestitionen und Überkapazitäten in vielen Bereichen angegangen werden kann, ohne das Wachstum zu sehr zu bremsen. Ebenso ist offen, mit welchen Mitteln der Binnenkonsum nachhaltig gesteigert werden soll. Aber es scheint außer Zweifel zu stehen, dass die Führung in Peking auf diesem Gebiet erhebliche Fortschritte anstrebt. Dafür sind sicherlich auch weitere Anstrengungen zur Bereinigung der Probleme am Immobilienmarkt erforderlich, die nach wie vor als Wachstumsbremse fungieren.
In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass Analysten mehrerer ausländischer Großbanken ihre Wachstumsprognosen für China für 2025 und 2026 zuletzt nach oben korrigiert haben.
Ungeachtet dessen dürfte Indien aber auch 2026 deutlich die Nase vorn haben beim Wirtschaftswachstum, mit 6,6 bis 7,0 % Zuwachs. Eine (moderate) Wachstumsverlangsamung in China 2026 gegenüber 2025 (um ca. 0,3 bis 0,5 %) ist weiterhin das allgemein erwartete Szenario.
Machtwechsel in Tschechien
Nicht unerwähnt bleiben soll die tschechische Parlamentswahl Anfang Oktober, auch wenn sie inzwischen schon einige Wochen zurückliegt. Die oppositionelle ANO um den ehemaligen Regierungschef Andrej Babiš gewann die Wahl deutlich und wird mit zwei kleineren Koalitionspartnern eine Regierung bilden können. Angestrebt werden unter anderem gesündere öffentliche Finanzen, niedrigere Energiekosten, ein günstigeres Gesundheitssystem und mehr bezahlbarer Wohnraum. In der Außenpolitik will man diplomatische Schritte unterstützen, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Bereits im Wahlkampf hatte Babiš angekündigt, keine Waffen mehr an die Ukraine schicken zu wollen.
Neue Hoffnungen auf Kriegsende in der Ukraine
Apropos, Ukrainekrieg: in den letzten Tagen gab es vermehrt Gerüchte und Anzeichen, dass es eventuell neue diplomatische Bewegungen und vielleicht doch ein baldiges Ende des Krieges geben könnte. Ob sich diesbezügliche Hoffnungen erfüllen, ist derzeit aber noch völlig offen. Offen ist auch, ob die jüngste Outperformance der
Marktteilnehmer zunehmend optimistisch für Schwellenländer
Dafür spricht die sehr lange Phase der unterdurchschnittlichen Wertentwicklung und die insgesamt weiterhin deutlich günstigeren Bewertungen gegenüber den entwickelten Märkten, speziell den USA. Etwas zur Vorsicht mahnt vielleicht aber, dass zuletzt offenbar schon viele Fondsmanager:innen auf eine Outperformance der