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Engagement: im Dialog mit weltweit führenden Pharmaunternehmen zu aktuellen Forschungen

Da die verantwortungsvolle Behandlung von Zivilisationskrankheiten auch für nachhaltige Investoren relevant ist, hat Raiffeisen Capital Management (Raiffeisen KAG) die weltweit führenden Pharmaunternehmen zu aktuellen Forschungen befragt. Im Zuge dessen wurden unter anderem folgende Fragen behandelt:

Wir sehen aufgrund demografischer Veränderungen einen erhöhten Behandlungsbedarf für alle Arten von Alzheimer, Demenz und Proteinopathien im Allgemeinen. Wie viel Prozent Ihres Budgets für Forschung und Entwicklung fließen derzeit in die Proteinopathie-Forschung?

Novartis: Pharmakonzerne erzielen Gewinne durch 10-jährige Patente auf neu entwickelte Medikamente. Nach Ablauf dieser Frist werden die Medikamente häufig von Generika-Herstellern kopiert, wodurch sie keine relevanten Gewinne mehr lukrieren können. Um langfristig wirtschaftlichen Erfolg zu haben, sind Pharmaunternehmen angehalten, immer wieder neue Produkte auf den Markt zu bringen. Die größten Kosten fallen dabei im Bereich der Forschung und Entwicklung an.

Coca-Cola vs. Pepsi, Adidas vs. Puma – auch in der Schweizer Pharmaszene gibt es eine bekannte Rivalität: Roche und Novartis. Beide sind Weltkonzerne mit einer langen Geschichte erfolgreicher Medikamentenentwicklungen. Im Dialog mit Raiffeisen Capital Management versichert Novartis, dass das Altern und die damit verbundenen Krankheiten seit langem im Fokus ihrer Forschung stehen.

Keines der Unternehmen, mit denen Raiffeisen Capital Management in Kontakt getreten ist, konnte genaue Angaben zu den Mittelaufwendungen in speziellen Forschungsbereichen machen. Novartis verfolgt bei Projekten seit mehreren Jahren die Strategie „weniger ist mehr“ und hat seit 2021 die Anzahl der Forschungsprojekte von 155 auf insgesamt 94 reduziert. Dadurch erhalten die aussichtsreichsten Projekte den finanziell notwendigen Rückenwind. Die Zahl an Forschungsprojekten im Neurobereich, zu denen auch die Alzheimererkrankung zählt, ist im Vergleich zu anderen Forschungsbereichen gestiegen. Jedes Projekt konnte durch diese Maßnahme rund 50 % mehr Ressourcen erhalten.

Wie viele klinische Studien führen Sie derzeit im Bereich Demenz durch und welche sind die vielversprechendsten? Können Sie uns einen Überblick über Ihre aktuelle Pipeline von Medikamenten und Therapien zur Behandlung von Demenz geben? Welche Innovationen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?

Roche: Laufende klinische Studien sind wichtige Bestandteile in der Analyse und Bewertung von Pharmaunternehmen. Für Investoren kann sich ein Blick in die laufenden Studien zur Bewertung von Pharmaunternehmen lohnen, insbesondere Projekte in der Phase 3 der klinischen Studien stehen im medialen Fokus.

Der Schweizer Pharmariese Roche hat mehrere Phase-2- und Phase-3-Studien am Laufen. Das Unternehmen betont, dass insbesondere das Medikament Trontinemab in Phase 3 vielversprechend ist. Es erweist sich als besonders schnell und robust, wenn es darum geht, schädliche Proteine aus dem Gehirn zu entfernen. Durch die falsche Ablagerung von fehlgefalteten Proteinen im Gehirn kommt es zum Zelltod und schließlich zur proteinopathischen Erkrankung. Außerdem weist Trontinemab geringe Nebenwirkungen von unter 5 % auf. Des Weiteren hat Roche das Medikament Nivegacetor in der Pipeline (Phase 2), welches einen komplementären Ansatz zu Trontinemab verfolgt.

Neben allen Produktinnovationen betont das Unternehmen die Wichtigkeit einer frühen Diagnose, denn bereits geschädigtes Hirngewebe kann nicht mehr wiederhergestellt werden. Die medikamentöse Behandlung von Alzheimer oder Demenz kann lediglich den weiteren Krankheitsverlauf verlangsamen.

Beide Medikamente befinden sich in einer interessanten Phase für Investoren. Raiffeisen Capital Management wird die weitere Entwicklung dieser Medikamente genauestens verfolgen.

Können Sie uns Beispiele für bedeutende Erfolge und Rückschläge in Ihrer Demenzforschung nennen und wie Sie daraus gelernt haben?

Novo Nordisk: Ozempic, ein Medikament, das in den letzten Jahren die Nachrichten im Pharmasektor dominiert hat, hat Unternehmen, die an der Forschung beteiligt waren, zu den Rising Stars an den Märkten gemacht. Unternehmen, die nicht an diesem Kapitalflussfest teilgenommen haben, gerieten zunehmend in den Hintergrund. So versuchte das schwer im Wettbewerb stehende Unternehmen Novo Nordisk einen Doppelschlag mit Semaglutid, dem Wirkstoff von Ozempic. Der Wunderwirkstoff sollte nicht nur schlank machen, sondern auch den degenerativen Prozess im Gehirn verlangsamen.

Nun ist die Zulassung in der Phase 3 gescheitert, da Semaglutid bei Probanden keinen messbaren Erfolg verzeichnen konnte, und die Aktie des Unternehmens musste starke Rückschläge hinnehmen.

Was sind Ihrer Meinung nach die erfolgreichsten Behandlungen für Proteinopathien?

Roche: Bei der adäquaten Behandlung von Krankheitsbildern kann es zu unterschiedlichen Ansätzen und Behandlungen kommen. Im Dialog mit führenden Pharmakonzernen wurde erfragt, welche Ansätze für Proteinopathien am aussichtsreichsten sind.

Roche betont, dass die Komplexität der Proteine im Gehirn und die einfache Entfernung dieser keine optimale Behandlung bei Alzheimer und Demenz darstellt. Immerhin sind diese Proteine auch für den Normalbetrieb der Zellen essenziell. Eine zielgerichtete Therapie ist umso relevanter, und Roche sieht das als die große Herausforderung bei der Behandlung von Krankheiten des zentralen Nervensystems, insbesondere Alzheimer und Parkinson.

Das Unternehmen sieht antikörperbasierte Ansätze als aussichtsreich, da diese so konzipiert werden können, dass sie nur auf die schädlichen Proteine abzielen. Dieser Zugang wäre für Patient:innen verträglicher und würde die gesunden Proteine, die für normale Vorgänge notwendig sind, nicht behindern.

Wie schätzen Sie das Marktpotenzial für neue Demenzbehandlungen ein und welche Marktstrategien verfolgen Sie, um Ihre Produkte erfolgreich zu positionieren?

Eisai: Im Zusammenhang mit der wachsenden Patient:innenschicht betont das japanische Forschungsunternehmen die Wichtigkeit der notwendigen Sensibilisierung für Demenzerkrankungen. Der Markt für Demenz ist sehr groß, jedoch ist es umso wichtiger, für eine erfolgreiche Behandlung die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen. Was oft als altersbedingte Vergesslichkeit abgestempelt wird, kann ein frühes Anzeichen für eine Erkrankung darstellen. Je früher die Demenz erkannt wird, umso besser kann sie behandelt werden, so der Pharmakonzern.

Mathias Forstreiter, Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG über Unternehmen zu Alzheimer und Demenz

Autor

Mathias Forstreiter, Fondsmanagement – Corporate Responsibility bei der Raiffeisen KAG

Dieser Inhalt ist nur für institutionelle Anlegerinnen und Anleger vorgesehen.

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